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Tiere im Zoo Pro und Contra

Der Boss
Der Boss

Tiere im Zoo: Artenschutz oder Tierquälerei?

Löwen und Elefanten in Deutschland sehen? Das geht nur im Zoo. Was für Zoodirektor Dag Encke ein Beitrag zum Artenschutz ist, sieht Peter Höffken von PETA als Gefängnis. Ein Pro und Contra.

"Zoos leisten einen erheblichen Beitrag zum Artenschutz – und der wird leider immer notwendiger. Naturschutzorganisationen kümmern sich nicht mehr um einzelne Tierarten, sondern um ökologische Hotspots, an denen es noch die höchste Artenvielfalt gibt. Zoos sind die letzten Organisationen, die eingreifen, wenn zum Beispiel eine kleine graue Papageienart auszusterben droht – die außerhalb dieser Hotspots vorkommt. Es gibt immer mehr Fälle, in denen man Arten nur vor dem Aussterben schützen kann, indem man sie in Gehegen einzäunt.  

Quellennachweise: BR Bayern1

 

Pro von Dag Encke, Direktor im Nürnberger Tiergarten

 

Dag Encke
Dag Encke

Natürlich können wir nicht alle Tiere auswildern. Eisbären zum Beispiel sind ja nicht bedroht, weil sie gejagt werden, sondern weil sie verhungern. Da brauchen wir nicht über eine Auswilderung zu diskutieren, die würde nichts bringen. Und dafür zu sorgen, dass es den Tieren im Zoo gut geht, das ist unser zoologisches Handwerk. Es gibt keine andere Form der Tierhaltung, bei der in jedes einzelne Tier so viel Grips und Geld investiert wird.

Staatsanwaltschaft: Keine Tierquälerei bei den Elefanten

Entlastung für den Zoo Hannover: Die Staatsanwaltschaft sieht keine Anhaltspunkte für Tierquälerei und hat das Verfahren eingestellt. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte im April Strafanzeige gestellt und ihre Vorwürfe mit heimlich gefilmten und umstrittenen Videomaterial untermauern wollen. Peta hat die Vorwürfe erneuert und Beschwerde gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft angekündigt. Mit möglichen unbewussten Einflüssen des Peta-Videomaterials auf die Betrachter hat sich indes die Staatsanwaltschaft nicht befasst. Den Juristen wie den bestellten drei externen Sachverständigen ging es ausschließlich um die Frage, ob Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festzustellen waren. Und dies hat die Behörde nun klar verneint.

„Dagegen sprach insbesondere, dass die Tiere sowohl bei den Kontrollen durch die Veterinärbehörde als auch bei den Besuchen der Gutachter keine Anzeichen für Verhaltensstörungen, Fluchtverhalten oder Scheu vor Menschen zeigten, sondern stattdessen den Kontakt zu den Pflegern aktiv suchten“, heißt es in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft.

Quellennachweise: neuepresse.de

Elefant im Zoo Hannover
Elefant im Zoo Hannover

Contra von Peter Höffken, Senior Fachreferent Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA

"Für uns sind Zoos nichts anderes als Gefängnisse. Es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, wo Lebewesen eingesperrt sind, ohne etwas verbrochen zu haben. Es gibt eine ganze Reihe von Tieren, an deren Verhalten man sieht, dass sie leiden: der Menschenaffe, der den ganzen Tag auf einem Fleck sitzt, der Pelikan, der nicht fliegen kann, weil ihm die Flügel gestutzt wurden, der Eisbär, der im Kreis läuft und der Elefant, der diese typische Wippbewegung mit dem Kopf macht. Das begeistert Kinder nicht für den Artenschutz, sondern vermittelt ihnen ein völlig falsches Bild.

So viele Zoos gibt es in Deutschland

In Deutschland sind etwa 200 Zoos, Wild- und Tierparks im Verband der Zoologischen Gärten organisiert. Laut dem Verband gibt es außerdem etwa "500 öffentlich zugängliche Wildtierhaltungen, wie Kleinzoos, Tiergehege, Vogelparks, Volieren, Reptilienzoos, Schauaquarien" - von denen etwa 400 nach den Richtlinien der EU als Zoos gelten. Für die Haltung der Tiere gibt es EU-weite Auflagen, nach denen Zoos die Tiere ihren biologischen Bedürfnissen entsprechend halten müssen. Doch die Frage, ob es ethisch vertretbar ist Tiere in Zoos zu halten, beantwortet keine Richtlinie - was denken Sie?

Tierbilder : Christiane Gallinat, bei Draufklick können die Bilder vergrößert angesehen werden! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Veronika Blümchen (Mittwoch, 05 September 2018 10:57)

    Hallo Christiane,
    mir hat mal eine Dame die in einem Aquarium arbeitet gesagt, es gibt verschiedene Naturschützer, mit unterschiedlichem Hintergrund. Wenn es um den Erhalt der Natur geht ist es was anderes, als die Natur zu renaturieren. Die Zoos sind ja heute auch für den erhallt einer Art die erste Anlaufstelle, wenn die Natur nicht mehr ausreichend Nahrung bietet und dadurch die Art aussterben würde. Es werden aber auch Tiere in die Zoos verfrachtet, die nicht vom aussterben bedroht sind. Sie müssen ja irgendwie die Zoos mit Besuchern füllen um sie finanzieren zu können.

    Die Naturschutzaktivisten sind wieder anders drauf, sie lehnen jedes einsperren eines Tieres ab, selbst das von Hühnern. Ich möchte hier nicht meine persönliche Sicht kund tun, denn es ist ein zweischneidiges Schwert. Diese Debatte gibt es seid es Zoos gibt und wird wohl auch immer für Zündstoff sorgen. Wenn man aber sieht, wie voll die Zoos sind, an Menschenmassen, dann stört es die meisten wohl keineswegs das Tiere zur Schau gestellt werden, es wird ja auch gerne tief dafür in die Tasche gefasst. Es ist und bleibt wohl auch ein lukratives Geschäft.

    Um des lieben Friedens investieren einige Zoos nun auch in den Naturschutz und helfen aktiv mit den Lebensraum der Tiere wieder aufzubauen, doch ob das wirklich machbar ist?

    So mal meine Gedanken dazu.
    Liebe Grüße
    Veronika